10. Mai 2008
Nun, man stelle sich vor, man lebt in einem kleinen östereichischen Dorf, zu Zeiten des 2. Weltkrieges und Folgendes ist passiert: Die Magd Franziska Sieder wurde in einem Schuppen mit einem polnischen Arbeiter erwischt. Die Folge: Er wurde von zwei seiner Landsleute auf Befehl hin erhängt, sie bekam die Haare kahl geschoren und musste mit einem Schild um den Hals durch den Ort laufen - „Während deutsche Soldaten an der Front stehen, buhle ich um einen Polen.“. Die Dorfleute sind begeistert von der “Aktion”.
Und dann ist da dieses Gedicht:
Die vier Aspekte:
Ich habe gehört hier ist was los
Was machen die denn da bloß
Kinder hör ich schreien und andere Lachen
Was machen die denn mal wieder für Sachen
Dann sehe ich sie und sie sieht wirklich witzig aus
Kleine Schlampe, ja jetzt ist deine Story raus
Hättest eben so etwas nicht tun dürfen, zu dieser Zeit
Schämen solltest du dich, das ging nun wirklich zu weit
Und du siehst ja zu was das führt, er tot und du hier
Und genau über dich und deinen Anblick lachen wir
Ja, ein großes Ereignis, alle Blicke drauf gerichtet
Eine Frau wurde zur Schau gestellt gesichtet
Die Kinder lachen und rennen um die Wette
Welch Ödnis, wenn sie nicht gesündigt hätte
Die Laune steigert sich, im Dorf ist Tumult
Ihre Bestrafung ist legendär, sie ist Kult
Kult, was bedeuten da schon, wenn es so ist
Es ist etwas, das einem die Würde nimmt
Sich das Recht aneignet, an Gottes Stelle zu richten
Über Gut und Böse, Leben und Tod bestimmt
Eine Gruppe oder die ganze Menschheit zu vernichten
Und seine eigene bloße Wertigkeit vergisst
Ich bin die die hier steht
Ein Mensch
Es ist als ob es nie vergeht
Die Zeit
Schamlos seid ihr, seht ihr nicht, innerlich, ich sterbe
Der Tot
Bedeuten euch nichts, weil ich um den falschen werbe
Ihr Mörder
Habt meine Liebe umgebracht, und mein Herz auf dem Gewissen
Was denkt ihr euch
Nein, ihr habt keine Gefühle, ihr werdet diese „Tier“ nicht vermissen