Abschied von Sidonie

Nun, man stelle sich vor, man lebt in einem kleinen östereichischen Dorf, zu Zeiten des 2. Weltkrieges und Folgendes ist passiert: Die Magd Franziska Sieder wurde in einem Schuppen mit einem polnischen Arbeiter erwischt. Die Folge: Er wurde von zwei seiner Landsleute auf Befehl hin erhängt, sie bekam die Haare kahl geschoren und musste mit einem Schild um den Hals durch den Ort laufen - „Während deutsche Soldaten an der Front stehen, buhle ich um einen Polen.“.  Die Dorfleute sind begeistert von der “Aktion”.

Und dann ist da dieses Gedicht:

Die vier Aspekte:

Ich habe gehört hier ist was los

Was machen die denn da bloß

Kinder hör ich schreien und andere Lachen

Was machen die denn mal wieder für Sachen

Dann sehe ich sie und sie sieht wirklich witzig aus

Kleine Schlampe, ja jetzt ist deine Story raus

Hättest eben so etwas nicht tun dürfen, zu dieser Zeit

Schämen solltest du dich, das ging nun wirklich zu weit

Und du siehst ja zu was das führt, er tot und du hier

Und genau über dich und deinen Anblick lachen wir

Ja, ein großes Ereignis, alle Blicke drauf gerichtet

Eine Frau wurde zur Schau gestellt gesichtet

Die Kinder lachen und rennen um die Wette

Welch Ödnis, wenn sie nicht gesündigt hätte

Die Laune steigert sich, im Dorf ist Tumult

Ihre Bestrafung ist legendär, sie ist Kult

Kult, was bedeuten da schon, wenn es so ist

Es ist etwas, das einem die Würde nimmt

Sich das Recht aneignet, an Gottes Stelle zu richten

Über Gut und Böse, Leben und Tod bestimmt

Eine Gruppe oder die ganze Menschheit zu vernichten

Und seine eigene bloße Wertigkeit vergisst

Ich bin die die hier steht

Ein Mensch

Es ist als ob es nie vergeht

Die Zeit

Schamlos seid ihr, seht ihr nicht, innerlich, ich sterbe

Der Tot

Bedeuten euch nichts, weil ich um den falschen werbe

Ihr Mörder

Habt meine Liebe umgebracht, und mein Herz auf dem Gewissen

Was denkt ihr euch

Nein, ihr habt keine Gefühle, ihr werdet diese „Tier“ nicht vermissen

Keine Antwort bis jetzt. »

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